Immer wieder habe ich mit Menschen zu tun, die bei Ihren Geldanlagen irgendwann auf steuersparende Investments kommen.
Zum Beispiel einer meiner Freunde: Zu einer Zeit (1997), wo er sehr gut verdiente, kaufte er sich eine steuersparende Immobilie, einen Anteil von einem Blockheizkraftwerk und einen Anteil in einem geschlossenen Immobilienfonds (er musste viel Steuern zahlen / sparen).
In dem Jahr der Anschaffung sparte er sehr viel Einkommenssteuer. Ich erspare Ihnen die Details, allerdings waren einige der hohen Steuerersparnisse im 1. Jahr nur möglich durch hohe Einmalkosten, Finanzierungskosten und mehr oder weniger offensichtliche Provisionen.
Drehen wir die Zeit um 10 Jahre nach vorne – 2007:
1.) Das Blockheizkraftwerk ist insolvent – 100% Verlust
2) Geschlossener Immobilienfond – Anteil nahezu wertlos, weil man keine Mieter für die hochwertig sanierten Wohnungen finden konnte. Selbst nach 10 Jahren ist der Marktpreis für Immobilien noch nicht bei den damals bezahlten Preisen angekommen. Die damaligen Anleger sollen erneut Geld zahlen, um das ganze am Laufen zu halten. Die versprochenen Erträge wurden nie erzielt und die Mietgarantie versagte ebenfalls. Ergebnis = 100% Verlust.
3) Fremdgenutzte Immobilie – als einzige der drei Anlagen existiert diese noch. Die Wohnung ist zwar ebenfalls zu teuer eingekauft worden, aber möglicherweise kann man mit dem heutigen Verkaufspreis und nach Ablauf der zehnjährigen Spekulationsfrist die noch offene Hypothek ablösen. Insgesamt bleibt aber ein Verlust von 20-25% der Kaufsumme, der noch über mehrere Jahre abbezahlt werden muss.
Wie konnte mein Freund so schlechte Investitionen tätigen? Bei vielen gutverdienenden Menschen stellt sich irgendwann der Frust wegen der hohen Steuerzahlungen ein. Und das vernebelt oft eine gute Investementauswahl – das Kriterium der Steuerersparniss rückt nach vorne bei der Auswahl der Kriterien. Und so risikoscheu die meisten Deutschen bei Geldanlagen auch sonst sind, aber wenn wir Steuern sparen wollen, dann vergessen wir das Risiko der jeweiligen Geldanlage ganz schnell.
Warum habe ich z.B. ein Finanzprodukt wie das Blockheizkraftwerk (oder Schiffsbeteiligungen o.ä.) nicht gekauft? Ganz einfach, weil die Frage nach der Steuerersparnis bei mir ganz hinten steht beim Vergleich von Investitionen. Hier die Fragen, die ich mir stelle:
1) Verstehe ich das Geschäft? Habe ich eine Ahnung, wie das ganze Geld verdient? Wenn die Frage für Warren Buffet gut genug ist, dann ist sie es für mich allemal.
2) Würde ich auch das ganze Investment kaufen, statt nur einen Teil davon?
3) Gewinnpotential = Hat die Geldanlage realistische Chancen Gewinn zu erzielen?
4) Risiko = Wie hoch ist das Risiko?
5) Liquidität = Wie schnell komme ich an mein Geld ran, wenn ich es doch früher brauche?
6) Kosten = Wie viel kostet die Anschaffung, der Unterhalt und der Verkauf der Investition? Finanziere ich das mit fremden Geld (z.B. um Steuern zu sparen)?
7) Steuerliche Auswirkungen der Investition?
8 ) Wenn ich einen Totalverlust erleide, wie wirkt ich das auf mein Leben aus?
Spielen wir mal die Fragen durch für z.B. eine Schiffsbeteiligung 1997 durch:
1) Verstehe ich etwas von Containerschiffen? Nein. Zusatzfrage: Habe ich Spaß, mich mit dem Geschäft der Containerschiffe zu beschäftigen? Ebenfalls Nein.
2) Würde ich ein ganzes Containerschiff auf Kredit kaufen? Nein, ganz bestimmt nicht.
3) Gewinnchancen? Keine Ahnung.
4) Risiko? Kann ich nicht abschätzen – siehe Fragen 1-3. Mein Bauch sagt: Risiko ist hoch, auch weil dieser Anteil mit einem Kredit verbunden ist.
5) Liquidität? Wahrscheinlich ist es eher schwierig, schnell an mein Geld zu kommen.
6) Kosten = Wie hoch im Vergleich zu anderen Anlagen? Wie hoch sind die versteckten Kosten?
7) Steuerliche Auswirkung? Positiv. Ich kann große Teile der Anschaffung steuermindernd geltend machen.
8 ) Auswirkung bei Totalverlust? Negativ: Da dieser Anteil meist über Kredit verkauft wird, müsste ich viele Jahre weiterzahlen.
Fazit für mich: Ohne Steuervorteil würde ich bestimmt kein Containerschiff kaufen. Deswegen kaufe ich auch einen Anteil davon mit dem Steuervorteil nicht.
Heisst das, das alle Steuersparmodelle schlecht sind? Nein, jedem das seine. Wenn ich verstehe, was ich dort mache UND es Steuersparmöglichkeiten gibt, dann nutze ich diese auch aus. Nur steht die Frage nach der Steuerersparnis bei mir ganz hinten und nicht vorne.